Akademisches     

Prof. Dr. Bernd Lindemann     

geboren am 10. 06. 1934 in Essen. 

1953–1958: Medizinstudium in Hamburg, Tübingen, München. 

1959: Promotion zum Dr. med. bei Prof. H. Passow an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Physiologie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. 

1959–1961: Postdoc im Department of Biophysics an der Harvard Medical School in Boston, USA, 
bei Prof. A. Solomon. 

1962–1965: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biochemie der Universität Frankfurt­/­Main 
bei Prof. E. Heinz. 

1965–1968: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am II. Physiologischen Institut in Homburg bei Prof. H. Passow.  
Hier habilitierte sich Bernd Lindemann 1968 im Fach Physiologie an der Medizinischen Fakultät und wurde 1969 
zum Dozenten und 1970 zum Abteilungsleiter „Membranforschung an Epithelien“ sowie zunächst zum
außerplanmäßigen Professor ernannt. 1979 planmäßige Professur der Stufe C3. 1966 Claude-Bernard Preis;
1981 Feldberg Preis. 

Seit der Gründung des Sonderforschungsbereichs 38 „Membranforschung“ (1968, Sprecher Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Robert Stämpfli) engagierte Lindemann sich maßgeblich in dieser Einrichtung und leitete viele Jahre Teilprojekte, 1971-1973-1985 als Forschungsprofessor der DFG. Seit 1980 war er stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs, eine Aufgabe, die er 1985 beim folgenden Sonderforschungsbereich 246 weiterführte, wo er von 1991 bis 1993 auch das Sprecheramt inne hatte. 1990-1992 stellvertretender Prodekan des Fachbereichs „Theoretische Medizin“.

Neben dem Ionentransport durch Zellmembranen wurde die Biophysik und Physiologie des Geruchssinns und besonders des Geschmackssinns sein thematischer Schwerpunkt. Die Publikation „Taste Reception“ in den Physiological Reviews 1996 wurde seine meist-zitierte Arbeit. Er warb in 10 Jahren 2,3 Millionen DM an Drittmitteln ein, weit mehr als sein universitäres Budget betrug. Seine Mitarbeiter waren überwiegend Stipendiaten aus USA, Indien, Japan u.a. Ländern. Zum Ende des Sommersemesters 1998 trat Prof. Lindemann in den Ruhestand, arbeitete aber noch jahrelang mit Drittmitteln weiter. 1998–2002: Forschungstätigkeit über den SFB 530 und die DFG; 2000–2001: Forschungsprofessur an der Kyushu Universität in Fukuoka, Japan. 2002 gründete Lindemann mit Alois Edelzwicker den "invoco-verlag" (www.invoco-verlag.de). Er ist Autor von Büchern zu belletristischen und philosophischen Themen.

Das wissenschaftliche Oeuvre von Bernd Lindemann spiegelt die Entwicklung der Membranforschung wieder, verstanden als biophysikalische Erforschung von Zellmembranen, Ionenkanälen und Rezeptoren und ihrer Signalwege. Es umfasst 125 Veröffentlichungen zu diesen Themen, darunter 8 Beiträge in Science undNature. Hervorgehoben seien die physikalisch-kinetische Analyse des Ionenflusses durch epitheliale Natriumkanäle (ENaC) und seine Blockierung durch Natriumionen und durch Amilorid (mit E. Hviid Larsen und W. Fuchs), die Anwendung der Fluktuationsanalyse auf den Ionenfluss durch diese Kanäle (mit W. van Driessche), die Erfindung der „pulsierenden voltage-clamp“ (mit R. Brennecke) und Untersuchungen zur Signaltransduktion durch einen patch-voltage-clamp von isolierten Geschmacks-Rezeptorzellen (mit P. Avenet).